Mit der wörterlosen Sprache zu mehr Souveränität

 

Unser Körper spricht eine sehr starke Sprache, denn körpersprachlich haben wir uns schon verständigt, bevor wir Menschen verbal sprechen konnten. Die Körpersprache ist also unser primäres System, ein deutliches, nicht einfach lenkbares und daher oft sehr ehrliches System, das die Kommunikation zwischen Menschen steuert und beeinflusst.

„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare“ hat der Dichter Christian Morgenstern trefflich formuliert und damit darauf hingewiesen, dass sich unsere aktuelle emotionale Verfassung in unserer Haltung, Bewegung, Gestik und Mimik ausdrückt. Trauer, Freude, Ängste, Unsicherheiten, Zu- und Abneigung kann man uns ansehen und das ist nicht in jeder Situation hilfreich. Aber es gibt Hoffnung: Verschiedene Untersuchungen belegen, dass die Körperhaltung, die wir einnehmen, Einfluss auf unsere innere Stimmung, die Art und Weise wie wir sprechen, was wir sagen und auch auf unser Selbstbewusstsein haben. Etablieren Sie also eine offene und souveräne Körpersprache und wirken Sie so sympathisch und selbstbewusst.

Dazu ein paar Tipps:

Haltung, Stand und Sitzen

  • Stehen und Sitzen Sie aufrecht – Schultern breit, Brust raus, Kopf gerade.
  • Regel: Alles was den Körper kleiner und schmaler macht, wirkt dem souveränen Auftreten entgegen.
  • Bevorzugen Sie einen zweibeinigen Stand – parallel oder Schrittstellung. Beine und Füße sollten im Stehen nicht umeinander verdreht werden, denn das behindert einen sicheren Stand und wirkt unsicher bis verklemmt.
  • Positionieren Sie sich stets ihrem Gegenüber zugewandt. Das gilt insbesondere auch für die Beine und Füße. Weggedrehte, versteckte oder um die Stuhlbeine verwickelte Beine und Füße wirken abweisend oder unsicher.
  • Nutzen Sie die ganze Sitzfläche des Stuhls, keinesfalls nur die Kante.
  • Die Beine beim Sitzen zu überschlagen ist in Ordnung, versuchen Sie allerdings, nicht zu häufig eine Art Mauer zum Gegenüber aufzubauen, indem Sie ein Bein mit dem Unterschenkel auf den Oberschenkel des anderen Beins auflegen.
  • Sehr breitbeinige Sitzhaltungen (anzutreffen eher bei Männern als bei Frauen) können aggressiv wirken. Zu viel demonstrierte Dominanz ist nicht souverän sondern unangenehm.

Arme und Hände

  • Die goldene Regel lautet: HHHHände zwischen Hals und Hüfte. In diesem Bereich können Sie nicht viel verkehrt machen.
  • Bewegen und zeigen Sie ihre Hände, insbesondere auch die Innenflächen. Eine bewegte, aber ruhige Gestik wirkt sympathisch und souverän.
  • Absolutes No-Go sind das Verstecken der Hände unter dem Tisch, in den Hosentaschen oder auch das verkrampfte Festhalten der Hände. Hände sollten sichtbar, locker und offen sein.
  • Häufig wiederholtes Greifen an Kopf und Hals (z.B. immer wieder an die Nase greifen, an der Halskette spielen etc.) sollten Sie einstellen, denn diese Gesten demonstrieren oft Verlegenheit.
  • Die Arme sollten den Körper nicht verdecken. Ein souveräner Mensch kann durchaus seinen verletzlichen Bauchraum zeigen und hat Abwehr und Schutz (langes Verschränken oder Überkreuzen der Arme) nicht nötig.
  • Reichen Sie beim Handschlag zur Begrüßung die ganze Hand und drücken Sie die Hand des anderen in angenehmer Druckstärke. Die nur halb gereichte Hand (Hasenpfote) offenbart Unsicherheit, zu starker Druck beim Händedruck (Knochenbrecher) wirkt unangenehm und zu dominant. Beim Händeschütteln ist zudem kurzer, freundlicher Blickkontakt nötig, um sympathisch und respektvoll zu erscheinen.

Mimik

  • Stirn runzeln, Nase rümpfen, Lippen schürzen – kleine mimische Äußerungen, die wir selbst kaum bemerken, die aber immer zu unserem Gegenüber „sprechen“ und die Interaktionsabläufe regeln. Unser Gesicht drückt sehr stark unsere aktuellen Emotionen aus. Eine souveräne, entspannte und freundliche Mimik braucht also auch eine entsprechende positive und selbstbewusste innere Haltung.
  • Versuchen Sie nicht, ihr Gegenüber durch falsches Lachen zu täuschen. Ein gespieltes Lachen gelingt Pantomimen und guten Schauspielern, der Normalbürger wird durchschaut, denn bei einem „echten“ Lachen bewegen sich auch die Muskeln um die Augen und das können Ungeübte nicht steuern.
  • Wollen Sie mimisch freundlich wirken, sind allerdings in einer getrübten Verfassung, denken Sie an ein lustiges Ereignis, eine nette Person und bringen Sie sich so in eine positive Stimmung.

Blickkontakt

  • Blickkontakt fällt vor allem da auf, wo er fehlt. Blickvermeidung kann kalt, unsicher oder auch gleichgültig wirken. In der menschlichen Interaktion ist Blickkontakt elementar für souveränes Auftreten und respektvollen Umgang mit unseren Mitmenschen.
  • Blicken Sie also ihr Gegenüber an, starren Sie ihren Gesprächspartner aber nicht an. Wenden Sie den Blick auch mal wieder ab und schauen Sie dann wieder hin.
  • Souverän und nicht aggressiv wirken Sie, wenn Sie Ihren Blick im Dreieck zwischen Augen und Nase des Gegenübers bewegen. Das Dreieck zwischen Augen und Stirnmitte wirkt u.U. schneller konfrontativ.

Für eine gute eigene körpersprachliche Weiterentwicklung ist das Beobachten fremden Verhaltens eine hilfreiche Vorstufe zur Selbstkontrolle. Arbeiten Sie auch an ihrer inneren Haltung, bzw. beantworten Sie sich die Frage: Als WER will ich auftreten? und nehmen Sie sich diese (fiktive) Person als Modell für ihren souveränen Auftritt. Stressen Sie sich aber nicht, Veränderungen geschehen langsam. Loben Sie sich für jede kleine Weiterentwicklung. Druck und Selbstkritik sind hier fehl am Platze.

Viel Erfolg!